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Der Ausraster des Songrwiters und Autors Sven Regener im Zündfunk gab Anlass, die Debatte um die “Finanzierung von Musik” erneut zu provozieren, nicht zuletzt in Zusammenhang mit den Piraten, welche als einzige politische Partei der Zensur menschlicher Schaffenskraft durch Urheber- und Patentrecht einen Riegel vorschieben will!

Im Rahmen der Denkstrukturen, welche Herr Regener mit seinen Überlegungen zu Tage legt, ist es gar nicht verwunderlich, dass er sich bestohlen und ungerecht behandelt fühlt. Was Herr Regener aber vergisst: Bereits das Joch des Geldes selbst hat die musikalische Entwicklung auf ungeahnte Weise seit Jahrzehnten deformiert: durch das Urheberrecht und die Marktkontrolle der Plattenfirmen.

Das Internet hat besonders den Musikmarkt – offenbar ohne dessen Einverständnis – richtungsweisend verändert.  Dass Herr Regener diese Veränderung offenbar versäumt hat, ist aus mehreren seiner Aussagen abzuleiten. Ein musikschaffender Pirat hat Herr Regener diesbezüglich hoffentlich auf den neuesten Stand der Dinge gebracht.

„Die Gesellschaft sieht sich mit der schlichten Tatsache konfrontiert, dass der Ausschluss vom Besitz schöner und nutzbringender intellektueller Erzeugnisse – und von dem Wert all dieser Wissenszuwächse für die Menschen – nicht länger der Moral entspricht, wenn jedermann sie zu den gleichen Kosten wie jede Einzelperson besitzen kann. Hätte Rom die Macht gehabt, jedermann zu ernähren, ohne dass daraus weitere Kosten als die entstanden wären, die für Cäsars eigene Tafel zu zahlen waren, hätte man Cäsar mit Gewalt verjagt, wenn noch irgend jemand hätte verhungern müssen. Das bürgerliche System des Eigentums verlangt jedoch, Wissen und Kultur nach Maßgabe der Zahlungsfähigkeit zu rationieren.“

– Eben Moglen: dotCommunist Manifesto

(Ex)kurs:

Jedes Vorenthalten von menschlichem Schaffen zielt letzten Endes darauf ab, sich für die bedeutungslose Dauer eines Menschenlebens ökonomisch abzusichern, opportun zu sein. Das herrschende kapitalistische System fördert und bedient diesen niederen Instinkt auch noch, wenngleich die Industriestaaten sich seit der Renaissance aus der Evolutionären Auslese eigentlich katapultiert hätten.

Sämtliche Massnahmen, die ergriffen werden um Informationen durch Patente oder Urheberrechte leidglich einem zahlenden Benutzerkreis zur Verfügung zu stellen, führen unweigerlich dazu dass die gesamte menschliche Innovation dem Gatekeeper Kapitalismus unterworfen wird. Aber will man denn die Reichen wirklich für’s Reichsein belohnen und die Armen fürs Armsein bestrafen?

Der Schaden an der Spezies Mensch durch das Vorenthalten von Informationen aufgrund niederer Instinkte kann in keinster Weise so exakt beziffert werden wie die Einbussen der Künstler durch sogenannte Piraterie, der Pharmaindustrie durch Generika, der Monarchien durch die Demokratie oder der Kirche durch die Aufklärung etc.

Es geht bei diesen sogenannten Immaterialgütern um flüchtige Gebilde menschlichen Ausdrucks, welche ihren Zweck nur dann erfüllen, wenn sie wahrgenommen und weiterentwickelt werden. Wenn keine Informationen assimiliert werden und keine Mutationen stattfinden würden, könnten unsere Körper nicht funktionieren, Pflanzen würden nicht existieren, das gesamte organische Leben wäre inexistent.

Der Zahn der Zeit selbst ist es, der letzten Endes bestimmt welche Produkte menschlichen Schaffens von Wert sind und welche nicht; dieses Entscheidungsvorrecht dem ordinären Kapitalismus zuzusprechen zeugt von wenig Weitsicht, oder sogar fehlendes Selbstvertrauen in das eigene Genie?

Ich vergleiche die herrschende Bezahlzensur menschlicher Innovation gerne mit einer Krebserkrankung: Obschon der gesamte Organismus durch Schwarmintelligenz und Mutation entwickelt und betrieben werden könnte, bildet sich in diesem Organismus plötzlich eine Gruppe, welche die genetische Kommunikation mit dem Organismus aus opportunen Gründen abbricht, also Informationen vorenthält oder ihre Übermittlung an Bedingungen knüpft. Was die medizinische Konsequenz eines Krebsleidens sein kann, ist weitgehend bekannt. Auf die menschliche Spezies übertragen kann es bedeuten, dass das vorenthalten von Informationen zu einem wirtschaftlichen Kollaps führt: wie etwa in Afrika, wo wir mit der Enteignung der Einheimischen sogar ein Synonym für sogenannte Krebsableger finden. Wir stellen auch fest: der Krebs plant nicht weit voraus; dies hat er mit dem Vorenthalten von Informationen gemeinsam.

Genau wie unsere Körper Manifestation und Medium unserer Erbinformationen darstellen und dazu dienen unsere genetischen Informationen bestenfalls fragmentiert und mutiert an eine neue Generation weiterzugeben, so ist unser Intellekt selbst Manifestation und Medium unserer Informationen musischer und informativer Natur und kann ebenfalls dazu dienen, diese Informationen über das Sterben des Geistes hinaus weiter existieren zu lassen – möglicherweise fragmentiert/mutiert – indem die Information weitergegeben wird.

Die Geringschätzung der Musiker gegenüber der Anerkennung, die ihnen bereits gezollt wird indem ihre Information assimiliert wird, zeigt deutlich wie wenig die Musik diesen Menschen noch bedeutet und wie wichtig ihnen ihre wirtschaftliche Situation ist. Kurz: Menschen, welche auf alle ihre Leistungen ein Preisschild kleben sind für die Spezies Mensch so hilfreich wie ein Tumor.

 

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